Ein blau-schwarzes Leben
Der 1. FC Saarbrücken trauert um Helmut Schwan. Das FCS-Urgestein ist am Dienstag im Alter von 87 Jahren verstorben. Mit ihm verliert der Verein eine Institution, einen Kümmerer, einen Mann, der über Jahrzehnte hinweg da war, wenn er gebraucht wurde.
Mehr als 50 Jahre gehörte Schwan zur blau-schwarzen Familie. Er hat Aufstiege gefeiert und Abstiege beweint, Trainer kommen und gehen sehen, Spieler begleitet, getröstet, geerdet. „Angeschleppt hat mich eigentlich der damalige Stadionsprecher Herry Klemm“, erinnerte er sich vor Jahren an seine Anfänge in den Achtzigern. Was mit dem Aufstellen von Lautsprecherboxen begann, wurde zu einer bemerkenswerten Vereinskarriere. Zunächst Zeugwart und Betreuer der zweiten Mannschaft in der Oberliga, später Betreuer der Profis, Fanbeauftragter, zweiter Vorsitzender. „Außer Torwart war ich eigentlich alles beim FCS“, witzelte er einmal.
1991 verlangte der Deutsche Fußball-Bund Fanbeauftragte. „Da habe ich es halt gemacht“, sagte Schwan. Als ein zweiter Vorsitzender gebraucht wurde, stellte er sich zur Verfügung. Wenn als Betreuer Not am Mann war, war er da. Besonders in den dunklen Stunden zeigte sich sein Charakter. 1995 stand der FCS finanziell vor dem Abgrund. Spieler warteten seit Monaten auf ihr Gehalt. Gemeinsam mit dem damaligen Masseur Jo Carlino hob Schwan 15.000 Mark vom eigenen Konto ab und streckte das Geld vor. „Die waren glücklich, haben später jeden einzelnen Pfennig zurückgezahlt“, berichtete er. Als es darum ging, die Altlasten einer „Sportfeld-Gesellschaft“ zu übernehmen, stand Schwan als Geldgeber im Hintergrund ebenfalls zur Verfügung. Damals lernte er auch Hartmut Ostermann kennen. „Der hat damals gesagt, dass ich bekloppt wäre, mein Hab und Gut für den Verein zu riskieren“, erzählte Schwan schmunzelnd.
Zu dieser Zeit war der selbstständige Handwerksmeister auch Sponsor beim FCS: „Ihr Fachmann am Bau“, hallte es damals als Werbung durch den Ludwigspark. „Das hatte nicht nur Vorteile. Irgendwann wollten die Spieler, dass ich ihnen bei der Wohnung helfe. Aber das habe ich gerne gemacht“, verriet „Helle“. Wie viele Spieler er erlebt habe? „Es können sicher 500 gewesen sein.“ Trainer waren es 44. Nach dem Besten gefragt, antwortete er stets charmant: „Jeder, der gerade da ist, ist der Beste.“ Respekt und Distanz seien wichtig, auch wenn man eng zusammenarbeite. Gleichwohl war Schwan mehr als ein Funktionsträger. Für viele war er Vertrauensperson, Ersatzvater, Ansprechpartner jenseits des Trainingsplatzes.
Er kümmerte sich um Aufenthaltsgenehmigungen, half beim Einleben, spielte zu Hause Darts mit Spielern. Kult-Torwart Peter Eich kam mittags oft zum Essen vorbei. Und wenn Franz Beckenbauer ihn bat, ein Auge auf Sohn Stephan zu haben, dann nahm er auch das ernst. Schwan verstand sich als Begleiter „seiner Jungs“, nicht als Kontrolleur.
Über all die Jahre blieb er bodenständig. Mit Trainern wie Dieter Ferner oder Dirk Lottner rauchte er hinter dem Mannschaftsbus eine Zigarette, ohne Interna preiszugeben. Thomas von Heesen rief noch an seinen Geburtstagen an. Das Netzwerk, das Schwan über Jahrzehnte geknüpft hatte, hielt bis ins hohe Alter. Ohne die Unterstützung seiner Frau Christel und der gesamten Familie, das betonte er stets, wäre all das nie möglich gewesen.
Bis zuletzt scherzte er, er höre erst auf, „wenn der FCS in der Champions League spielt. Oder zumindest im Europapokal.“ Wir sind uns sicher, dass er ab sofort von oben mitfiebern wird. Mit Helmut Schwan verliert der 1. FC Saarbrücken ein Stück lebendige Vereinsgeschichte. Einen, der nie im Rampenlicht stehen wollte und gerade deshalb unverzichtbar war. Seinen Platz in der blau-schwarzen Chronik hat er sicher. „Helmut war jemand, der nie in die erste Reihe wollte. Er war ein Kümmerer, einer von denen, die es viel zu selten gibt. Sein Tod macht uns sehr traurig, und unsere Gedanken sind bei seiner Familie“, kondolierte Hartmut Ostermann im Namen der gesamten FCS-Familie.
