04.08.2026
Verein

Ein blau-schwarzes Leben

Für seine zahlreichen Weggefährten war absehbar, dass dieser Tag kommen würde. Und doch: Als die Gewissheit da war, stellte sich Leere ein. Werner Cartarius ist nicht mehr unter uns. Am Montagabend ist er kurz vor Vollendung seines 92. Lebensjahres verstorben.

Am 23. September 1934 wurde Cartarius in Malstatt geboren. Nur zwei Jahre später verstarb seine Mutter bei der Geburt von Zwillingen. Werner wuchs in Kriegszeiten als Halbwaise auf. Er absolvierte eine Lehre als Betriebsschlosser bei der Bahn und arbeitete anschließend bis zu seiner Pensionierung als Beamter.

1953 trat er, der selbst nie aktiv Fußball spielen sollte, dem FCS bei. Zunächst war er Betreuer, dann Schiedsrichter. Früh galt seine Passion der Jugendarbeit. Gemeinsam mit seinem Freund, dem späteren DFB-Präsidenten Hermann Neuberger, rief er im Jahr 1969 die Saarbrücker Hallen-Stadtmeisterschaft in der Saarlandhalle ins Leben. 50 Jahre lang stand er an der Spitze des Organisationsteams.

Kurz vor der Corona-Pandemie gab er alle Ehrenämter ab – bis auf eines. Er blieb an der Spitze des FCS-Ehrenrates und führte als dessen Vorsitzender die Entlastungen der Vereinsgremien durch. Catarius war einer, der nie viel Aufhebens um seine Person machte. Wenn ihm die FCS-Familie jedoch stehenden Applaus spendete, lächelte er zufrieden vor sich hin.

Cartarius war nicht nur ein „Mädchen für alles“, ein Macher und Netzwerker, er war auch ein passionierter Schreiber. Mehr als 40 Jahre lang führte er Buch über die Aktivitäten des FCS und schrieb Artikel für die Stadionzeitung. Wohl auch deshalb war er, wie sein Kumpel Neuberger, stets ein Freund der Presse.

In seinem legendären „Cartarius-Raum“ auf der Haupttribüne des alten Ludwigsparks waren daher nicht nur die Vereinsgranden, sondern auch die Medienvertreter stets gern gesehene Gäste. Unvergessen bleibt, wie er nach den Pressekonferenzen die Flasche mit dem Kirschwasser kreisen ließ. „Jungs, es ist kalt. Das ist Medizin“, sagte er immer und lachte wie ein Lausbub. Seine Frau Anneliese, die er im Jahr 1965 heiratete, war stets dabei.

Ehrungen hat Werner Cartarius viele erhalten. Die DFB-Ehrennadel und die Sportplakette des Saarlandes seien stellvertretend genannt. Aber es wäre vermessen, den echten Molschder auf diese Würdigungen zu reduzieren.

Werner Cartarius war ein Ehrenamtler, wie er im Buche steht. Nie wollte er auch nur einen Cent von seinem FCS. Er war einer, der Brücken bauen wollte und konnte. Über Jahrzehnte war er das gute Gewissen des Vereins.

„Solange ich atme, werde ich ein Mann des 1. FC Saarbrücken sein“, sagte er im Jahr 2017 in einem Imagefilm. Er ist es bis zum letzten Atemzug geblieben.

Die gesamte FCS-Familie verneigt sich vor einem der ganz Großen. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Frau, seiner Tochter und seinen Enkeln.

Ruhe in Frieden, Werner!